Rede, Herr, ich höre – 20. Mai

20. Mai 2012

“Wenn aber jeder, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten.” (Johannes 16, 13)

Ängstlich blieben die Jünger zurück. Der Herr hatte ihnen verheißen, den Geist der Wahrheit zu senden, der sie stärken, leiten, erleuchten sollte, aber sie warteten noch – bis auch diese Zeit des Wartens erfüllt war.

Wir sollten die Zeiten des Wartens nicht ungeduldig gering schätzen. Gott lässt warten, damit das Gefäß der von ihm zugemessenen Zeit sich füllen kann : mit Vertrauen, Geduld, Gehorsam, mit Kraft für zukünftige Aufgaben. Das Volk Israel musste immer wieder warten lernen auf die Erfüllung der Verheißung Gottes. Jesus musste lange Jahre warten, bis die Zeit seines öffentlichen Wirkens gekommen war. Die Christenheit wartet auf die Zukunft und Wiederkunft ihres Herrn. Warten, bis die Zeit erfüllt ist.

Gottes erfüllte Zeit wird zur Zeit der Pfingsten, in der sein heiliger Geist auf sterbliche Menschen ausgegossen wird. Als Siegel und Bestätigung der Zusage, die Jesus hinterlassen hat : Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende ! Auf der Gemeinde Jesu Christi ruht der Segen der Unzerstörbarkeit, ruht die Zusage jenes Leben, das Menschen nicht vernichten können. Denn Gottes Zeit war erfüllt. Es konnte Pfingsten werden.

Es kann auch heute bei uns noch immer Pfingsten werden. Überall dann und da, wo wir um Gottes Geist bitten, erfüllt sich der Tag der Pfingsten noch heute, mitten unter uns. Und der Geist der Wahrheit gibt allen, die ihm vertrauen, die Kraft zum Zeugnis, wenn sie sich von ihm leiten lassen.

“Du Heiliger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern; mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn. O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund. Amen.” (EKG 108, 7)

Rede, Herr, ich höre – 19. Mai

19. Mai 2012

“Und sie wurden alle voll des heiligen Geistes.” (Apostelgeschichte 2, 4)

In der pfingstlichen Zeit des Kirchenjahres geht es um den heiligen Geist, der Menschen, die noch kurz davor kleingläubig und sehr verängstigt waren, erfasst, ermutigt, kräftigt, bevollmächtigt und sendet. Pfingsten geschieht noch heute und ist nicht an ein bestimmtes Datum gebunden. Pfingsten soll in unserem Leben geschehen. Wir selbst sollen uns dem Geist der Kraft, der Zucht, des Mutes und der Liebe Gottes öffnen und von ihm vollmächtig senden lassen.

Wohin senden ? In die Welt des Alltags, die Welt der Menschen, die vom Feuer des Geistes nichts wissen wollen. Sie wenden ein, die Geistflamme der Erleuchtung kommen auch in anderen Religionen vor. Aber um solche Zeichen geht es nicht. Um die Sache Gottes geht es ! Sie wird durch den Heiligen Geist weitergetragen. Durch ihn leben Kirchen und Gemeinden.

Es geht dabei nicht um Beweise. Es geht um den Glauben an den Kraftgeist Gottes. Aber wenn es eines Beweises für Pfingsten bedürfte, dann könnte man getrost darauf hinweisen, dass seine Gemeinde noch immer lebt. Es ist menschlich gesprochen ganz unwahrscheinlich, aber es ist wahr : die Gemeinde lebt. Sie kommt zum Beispiel Sonntag für Sonntag (und auch darüber hinaus) zusammen, freiwillig, um Gott zu loben. Der Geist der Pfingsten, der heilige Geist überdauert alle Zeiten, überlebt alle Reiche, übertrifft alle Ideologien.

Komm, heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzündt in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe !

“Du Quell, draus alle Weisheit fließt, die sich in fromme Seelen gießt, lass deinen Trost uns hören, dass wir in Glaubenseinigkeit auch können alle Christenheit dein wahres zeugnis lehren. Höre, lehre, dass wir können Herz und Sinnen dir ergeben, dir zum Lob und uns zum Leben. Amen.” (EKG 103, 2)

Rede, Herr, ich höre – 18. Mai

18. Mai 2012

“Ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.” (Apostelgeschichte 2, 6)

Das Sprachwunder, dass jeder in seiner Sprache die Botschaft Gottes versteht, ereignet sich immer neu, Wir erinnern uns an die Zeit unmittelbar nach dem Krieg. Während des Krieges wurden die Amerikaner als unsere Feinde bezeichnet, die es zu besiegen galt. Dann geschah nach dem Sieg der Care-Paket aus den USAAlliierten etwas ganz Merkwürdiges : Es kamen, von Christen organisiert, gepackt und verschickt, die ersten Care-Pakete an. Damals war das für viele ein Wunder : Feinde, die die Sprache der Liebe redeten, schrieben und sie praktisch verpackten und verschickten. In den Paketen lagen in englischer Sprache Vordrucke oder auch Briefe. Viele Care-Paket-Empfänger konnten nicht englisch lesen. Für sie war also der Wortlaut der Briefe unverständlich. Er musste übersetzt, gedolmetscht werden. Aber eins spürten alle Empfänger der Care-Pakete : dass da die Sprache der Liebe, die sich des andern erbarmt, geredet, verpackt und geschrieben wurde.

Es war ein neues Sprachwunder ! Alle verstanden in ihrer Sprache und Denkweise, dass der Absender die Sprache der Liebe vermitteln wollte. Und alle, die es begriffen hatten, wunderten sich, was da geschah : Feinde wurden zu Absendern der Liebe. Ein Sprachen- und Verständigungswunder, das uns das Pfingstwunder neu begreifen lässt.

“O dass ich tausend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund, so stimmt ich damit um die Wette vom allertiefsten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir getan. Amen.” (EKG 238, 1)

Rede, Herr, ich höre – 17. Mai

17. Mai 2012

“Viele aber, die da Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich.” (Apostelgeschichte 19, 19)

Was ist die Bibel für ein modernes Buch ! Sogar Bücherverbrennungen werden da schon beschrieben. Aber Bücherverbrennungen haben wir doch in unguter Erinnerung. Da begann im Dritten Reich die Intoleranz. Eine andere Meinung konnten die Machthaber nicht ertragen. Darum ordneten sie Bücherverbrennung an. Auch öffentliche, so wie in der Bibel beschrieben.

Genau so ? Nein, nicht ganz. Der Unterschied ist : Die Bücher im Dritten Reich wurden auf Anordnung verbrannt. Hier im Text des heutigen Tages wird in der Bibel eine Bücherverbrennung beschrieben, Freiwillige Bücherverbrennungdie freiwillig erfolgte. Leute, die diese Bücher für viel Geld erworben hatten, trennten sich freiwillig davon, weil sie merkten, dass es irreführende, schlechte Bücher waren. Durch die Verkündigung der Wahrheit war die Zauberei dieser Bücher überholt und entlarvt worden. Die Bücher waren als überflüssig und schädlich erkannt. Also weg damit ! Nicht auf behördliche Anordnung, sondern aus der freiwilligen Tat, der die Erkenntnis zugrunde lag : Gottes Wort ist stärker als aller faule Zauber, der in diesen Büchern geschrieben stand.

An welchen faulen Zauber haben wir unser Herz gehängt ? An Horoskope ? An Versicherungen ? An Esoterik ? Glauben wir wirklich fest an Gottes Wort, das stärker ist als der falsche Zauber unseres Lebens ? Wir sollten über das Beispiel der früheren Christen zu Ephesus nachdenken.

“Wir loben, preisn, anbeten dich; für deine Ehr wir danken, dass du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessn ist deine Macht, fort gschieht, was dein Will hat bedacht. Wohl uns des feinen Herren ! Amen.” (EKG 131, 2)

Rede, Herr, ich höre – 16. Mai

16. Mai 2012

“Mein Geist soll unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht !” (Haggai 2, 5)

Gott sei Dank, dass es so ist. Dass sein Geist unter uns wirksam ist und bleibt. Es ist dieser Geist, der auch heute noch Gemeinde Gottes zusammenbringt, der uns zum Gottesdienst zieht, der uns in allem Unsinn unserer Zeit nach dem Sinn unseres Lebens fragen lässt.

Gottes Kirche lebt, trotzdem man seine Gemeinde und schließlich auch Gott selbst tausendmal totgesagt hat. Sein Geist ist lebendig und wirksam, auch wenn sich Menschen noch so anstrengen, um diesen Geist zu verdrängen und aus ihrem machtbereich zu verbannen.

Gott sei Dank, dass Gottes Geist unter uns bleibt und uns nicht im Stich lässt ! Was Menschen, die nichts mit diesem Geist vorhaben, andern Menschen antun können, das hat die Vergangenheit bis heute gelehrt. Und es war immer die Hölle auf Erden, wenn Menschen den Menschen ohne Gottes Geist ausgeliefert waren.

Sein Geist soll unter uns bleiben. Das hat Gott selbst uns zugesagt. Darum brauchen wir uns nicht zu fürchten. Wir brauchen in der Welt keine Angst zu haben, weil Gottes Geist in der Welt mächtig ist. Weil Gottes Geist seine Kirche erhält. Weil Gottes Geist unser Helfer und Tröster ist und bleibt.

“Darum lass dich nicht schrecken, o du christgläubge Schar ! Gott wird dir Hilfe erwecken und dein selbst nehmen wahr. Er wird seim Volk verkünden sehr freudenreichen Trost, wie sie von ihren Sünden sollen werden erlöst. Amen.” (EKG 205, 4)

Rede, Herr, ich höre – 15. Mai

15. Mai 2012

“Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.” (Römer 8, 14)

Eine Windmühle ohne Wind steht nutzlos still. Das Mahlwerk kann nicht angetrieben werden, weil der Wind fehlt. Ein Segelschiff ohne Wind ist dem Hin und Her der Wellen ausgeliefert und kommt nicht voran. Es fehlt der “Treibstoff” Wind. Der Treibstoff der Christen ist Gottes Pneuma, ist sein Geist. Wir sollten mehr Mut haben, die Segel unseres Tuns zu entrollen und dem Geist Gottes auszusetzen. Immer, wo das geschieht, geht es voran. Da passiert etwas, das die Welt staunen lässt. Die Geschichte des Reiches Gottes ist geschrieben von Menschen, die sich Gottes treibendem Geist aussetzten, die die Aufgabe der Zeit erkannten und die sich von Gottes Geist ausrüsten ließen, damit diese Aufgaben auch angepackt und bewältigt werden konnten.

Da sind die leuchtenden Namen der großen Männer und Frauen der Inneren Mission. Sie haben viel Großes und Bewundernswertes geleistet. Durch Gottes vorantreibenden Geist war die Innere Mission ein Aufbruch nach innen, keine Konkurrenz zur Äußeren Mission, wohl aber das Gespür, dass bei uns ebenfalls noch viel, sehr viel zu tun ist, um Gottes Reich durchzusetzen, damit Menschen geholfen werde, damit Menschen gerettet werden. Diese Männer und Frauen konnten ihr Werk nicht von sich aus tun. Sie haben immer wieder bezeugt, dass der Geist der Liebe Gottes sie getrieben hat. Sie waren Gottes Kinder, die sich ganz dem vorantreibenden Kraft-Geist Gottes aussetzten. Folgen wir ihrem Beispiel.

“Zeuch ein, lass mich empfinden und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hilf und Errettung schaff. Entsündge meinen Sinn, dass ich mit reinem Geiste dir Ehr und Dienste leiste, die ich dir schuldig bin. Amen.” (EKG 105, 2)

Rede, Herr, ich höre – 14. Mai

14. Mai 2012

“Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.” ( Johannes 3, 8 )

Wie werden wir getrieben ? Welche Energie steckt dahinter ? Gottes Geist wird hier unter dem Sinnbild des Windes dargestellt. Der Sturmwind des heiligen Geistes. Ein gewaltiges Brausen des Geistes. Es gibt viele Stellen mehr, wo in dieser Weise, mit diesem Bild von Gottes Geist die Rede ist.

Fülle deine Segeln mit der Kraft und Energie vom heiligen Geist Gottes.

von Helga Kremer

Wind ist Kraft. Wir merken es, wenn es stürmisch wird. Wind kann treiben. Segelschiffe wurden vom Wind über die Weiten des Ozeans getrieben. Und noch heute ist es so, etwa bei der Kieler Woche, ein großartiges Bild, zu sehen, wie die Schiffe vor dem Wind stehen und vom Wind getrieben werden. (ist eine jährlich stattfindende Segelregatta, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in Kiel ausgetragen wird.)

Gottes Geist will uns treiben. Die Segel, um die Treibkraft und Energie dieses Geistes zu nutzen, müssen wir freilich selbst setzen. Wer die Segel, zusammengerollt hat, kann sich nicht voranbringen lassen. Die Kirche ist nicht umsonst häufig unter dem Bild eines Segelschiffs dargestellt worden. Da ist vom Segel der Liebe die Rede. Setzen wir die Segel ! Gott will seinen Geist der Kraft und Energie dazugeben, dass sich das Segel der Liebe voll entfalten und uns voranbringen kann. Wo das Segel der Liebe vom Kraftwehen des Geistes Gottes gefüllt wird, da vollzieht sich Gotteskindschaft.

“Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit; deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüllt uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunkeln Herzen sein.
Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, dass wir anders nichts beginnen, als nur was dein Wille sucht. dein Erkenntnis werde groß und mach uns vom Irrtum los. Amen.” (EKG 106, 1 + 2)

Rede, Herr, ich höre – 13. Mai

13. Mai 2012

“Er sprach zu ihnen: Wer saget denn ihr, dass ich sei ?” (Matthäus 16, 15)

Ja, was sagen wir denn von ihm ? Einige sagen, er sei Sozialrevolutionär gewesen. Andere sehen in ihm einen Menschheitslehrer, andere einen idealistischen Weltverbesserer, andere einen Vorkämpfer für Menschlichkeit. Jesus wusste schon damals, dass es verschiedene Meinungen über ihn und sein Gehorsamwerk Gott gegenüber gab. Sie hatten damals recht ehrenwerte Attribute für ihn bereit. Sie wollten ihn sogar zum König proklamieren. Aber er sagte, dass sein Reich nicht von dieser Welt, also kein politisches ist. (Johannes 18, 36) Das kann denen heute nicht ins Konzept passen, die ihn zum Vorkämpfer für ihre eigene Ideologie stempeln möchten.

Eine Antwort auf die Frage Jesu wurde bereits damals gegeben : “Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes !” Mit dem haben wir es also zu tun. Dass das bereits damals erkannt wurde, zeigt dass der Heilige Geist am Wirken war. Jesus sagt zu Petrus : “Selig bist du, Simon, denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.” Zu erkennen, wer Christus ist, hängt also gar nicht von unserer Klugheit und Einsicht ab. Sondern der Geist Gottes muss uns dafür die Augen öffnen. Wir aber müssen uns entscheiden, ob wir die Augen verschließen oder ob wir Jesus Christus als den Herrn erkennen und bekennen wollen.

Wer ist Jesus Christus für uns ? An dieser Frage entscheidet sich unser Leben.

“Jesus Christus ist der Eine, der gegründet die Gemeine, die ihn ehrt als teures Haupt. Er hat sie mit Blut erkaufet, mit dem Geiste sie getaufet und sie lebet, weil sie glaubt. Amen.” (EKG 96, 6)

Rede, Herr, ich höre – 12. Mai

12. Mai 2012

“Seid aber miteinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem andern, gleichwie Gott euch vergeben hat in Christus.” (Epheser 4, 32)

Das ist das neue Leben. Nicht weil wir es geschafft hätten, über unseren eigenen Schatten zu springen. Der Schatten hängt uns an und bleibt uns. Aber er wandert, je nachdem, wie wir uns zumLass deinen Schatten hinter dir Licht Jesu Christi verhalten. Wenden wir uns vom Licht ab, sehen wir unseren eigenen Schatten nur zu deutlich vor uns. Wenden wir uns dem Licht Jesu Christi zu, sehen wir keine Spur unseres Schattens mehr. Er bleibt hinter uns. Er verdunkelt uns nicht mehr die Aussicht.

Im Lichte Jesu Christi wird das Leben neu und anders. Dann ist es zu schaffen, dass wir miteinander freundlich und herzlich umgehen. Dass das Betriebsklima im Haus, in der Familie, auf der Arbeit und wo sonst auch immer verändert wird. Wodurch ? Durch Nichtnachtragen ! Durch großzügige Vergebung um Christi willen. Weil er uns auch vergeben hat, oder um im Bild zu bleiben : Weil er den Schatten unseres alten Lebens hinter uns geworfen hat. Der Schatten kann sein Licht nicht ertragen und versteckt sich davor hinter unserem Rücken. Da soll er getrost bleiben ! Wir aber sollen und wollen im Licht wandeln, das bedeutet : mit Christus leben. Dieses Licht scheint freundlich, herzlich und voller Vergebung.

“Jesu, stärke deine Kinder und mach aus denen Überwinder, die du erkaufst mit deinem Blut. Schaffe in uns neues Leben, dass wir uns stets zu dir erheben, wenn uns entfallen will der Mut. Geuß aus auf uns den Geist, dadurch die Liebe fleußt in die Herzen; so halten wir getreut an dir im Tod und Leben für und für. Amen.” (EKG 267, 4)

Rede, Herr, ich höre – 11. Mai

11. Mai 2012

“Ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was des andern ist.” (Philipper 2, 4)

Wir alle leben in Selbstbezogenheit und Eigenwertschätzung, die wir gern im Vergleich mit anderen bestätigt sehen. Wir leben davon, dass wir etwas sein und gelten möchten. Wir sind auf unseren eigenen guten Ruf bedacht und weitaus weniger auf den des anderen. Der Wunsch nach Geltung wird schnell zum Streben, sich über den andern zu erheben. Wie oft dient der andere uns als Mittel der Selbsterhöhung ?

Darum müsste ein elftes Gebot lauten : Du sollst nicht vergleichen deinen Nächsten mit dir selbst ! Im Vergleichen steckt die Versuchung, sich über den andern zu erheben. Aber Hochmut und Nächstenliebe schließen sich gegenseitig aus. Liebe und Ehrgeiz vertragen sich nicht. Das Kennzeichen echter Liebe ist das Sichöffnen für den anderen. Im guten Sinne sehen, was des andern ist, was er braucht, wo man unsere Solidarität und Hilfe braucht. Wieviel Hilfe unterblieb, weil jeder nur auf das Seine sah und den anderen missbrauchte ! Bei uns selbst sollen wir darauf sehen, dass wir nicht schuldig werden. Demütig sein heißt : sich nicht mit seinem Nächsten zu vergleichen und zu wissen, dass alles, was  wir sind und haben, Leihgabe Gottes ist.

“Es ist ja, Herr, dein Gschenk und Gab mein Leib und Seel und was ich hab in diesem armen Leben. Damit ichs brauch zum Lobe dein, zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, wollst mir dein Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, des Satans Mord und Lügen wehr; in allem Kreuz erhalte mich, auf dass ichs trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, tröst mir mein Seel in Todesnot. Amen.” (EKG 247, 2)